Bildung in Bremen

Die Jungen Liberalen Bremen (JuLis) lehnen die Diskussion über die Schulstruktur wie sie derzeit geführt wird ab. Das Konzept der Bildungssenatorin geht von einem festen ideologischen Leitbild aus, anhand dessen die Bremer Schulen in eine Struktur gezwängt werden sollen, die nicht zur Verbesserung des Unterrichts und der Leistung führen wird. Entscheidend für diese Ziele ist nicht die Schulform, sondern die Qualität der konkreten Schulbildung in der Klasse. Hierbei ist der Fokus auf die individuelle Leistungsfähigkeit des Schülers, seine Kompetenzen und Potentiale zu setzen. Schüler sollten ihrer Leistung entsprechend gefördert und gefordert werden, wobei diese von Fach zu Fach variieren können.

 

Individuelles Fördern und Fordern

Individuelles Fördern und Fordern setzt an den vorhandenen und potentiellen Fähigkeiten und Interessen des Schülers an. Der Fachlehrer muss auf diese mit differenziertem Unterricht eingehen. Wie dies konkret aussehen kann, ist eine pädagogische, keine politische Frage, der Schule muss dies freigestellt sein.

Staatliche Vorgaben gibt es lediglich hinsichtlich der Lehrpläne, die als Zielvorgaben an die jeweilige Jahrgangsstufe in den Fächern verstanden werden. So schreibt der Plan vor, welche Fertigkeiten die Schüler jeweils am Ende eines Jahres erlernt haben sollten. Für jedes Fach werden diesem Konzept nach drei Leistungsniveaus definiert (A, B und C), die nach Stoffdichte, und –tiefe differenziert sind. Das A-Niveau stellt so Anforderungen auf, die eine abstrakte Interpretation des Unterrichtstoffs erfordern, sie gehen auf die Grundlagen des Wissens ein und verlangen vom Schüler einen eigenständigeren Ansatz als die Niveaus B und C. Der Abschluss eines Faches mit einem bestimmten Leistungsniveau wird mit landesweit vergleichbaren Arbeiten belegt, die sich am definierten Leistungskatalog des jeweiligen Niveaus orientieren.

Die Schulen gestalten ihr Unterrichtsangebot selbständig. So ist es den Schulen überlassen, ob sie ein Kurssystem oder integrierte Systeme anbieten, ob sie bspw. nur Fächer auf A-Niveau, bzw. in manchen Fächern B-, in anderen auch A- und C-Niveau anbieten. Eine leistungsgerechte Einstufung der Schüler wird eine weitere Differenzierung nötig machen, dies steht den Schulen völlig frei; die Niveauskataloge stellen lediglich die minimal zu erreichende Leistung dar und sind Anhaltspunkte für den Unterricht.

Das Sitzenbleiben ist nicht möglich. Sollte ein Schüler eine Niveauprüfung nicht bestehen, kann er sie in den Ferien nach einem Intensivkurs wiederholen. Wird sie auch dann nicht bestanden, muss das Fach in einem niedrigeren Niveau abgeschlossen werden. Dann bietet es sich an, im folgenden Jahr ein anderes Niveau zu wählen. Bei guten Noten ist ein Wechsel des Schülers in ein höheres Niveau fließend möglich. Auch hier können Qualifizierungsprogramme in den Ferien unterstützend wirken. Die Schulen haben dafür Sorge zu tragen, dass alle Schüler mindestens die Vorgaben des C-Niveaus erfüllen. 

Dieses System startet mit der 5. Klasse.

 

Abschlüsse

Die staatlich anerkannten Schulabschlüsse definieren sich durch festgelegte Anforderungskataloge. In Bremen werden die Abschlüsse Abitur, Mittlere Reife und Berufsbildungsreife vergeben.

Das Abitur ist auf ein anschließendes Studium ausgerichtet. Er wird durch eine zentrale Prüfung abgelegt, zu deren Zulassung der Abschluss vor allem von Fächern auf A- Niveau unter Einhaltung von Vorgaben zur Fächerwahl vorzuweisen ist. Ein Fachabitur kann vergeben werden, wenn Schüler nur in einem Bereich (z.B. Naturwissenschaften) den Abschluss auf A-Niveau vorweisen können. Das Abitur soll im Regelfall nach 12 Jahren Schulzeit erreicht werden, bei Wechslern aus niedrigeren Niveaus kann dies überschritten werden.

Die Mittlere Reife wird nach der 10. Klasse vergeben und hat überwiegend B-Niveau- Fächer zur Voraussetzung. Schüler mit einem guten Abschluss ist der direkte Weg zum Abitur frei.

Die Berufsbildungsreife setzt den erfolgreichen Abschluss von allen Fächern mit C- Niveau nach der 9. Klasse voraus. Die Lehre wird hier stark durch praktische Kurse ergänzt, die auf den folgenden Einstieg in einen Ausbildungsberuf vorbereiten sollen. Bei guten Noten ist der Verbleib an der Schule und der Erwerb der Mittleren Reife möglich.

Praktische Kurse in Unternehmen sind in allen Abschlüssen ebenfalls Vorrausetzung und nehmen bei Mittlerer Reife und vor allem bei der Berufsbildungsreife einen größeren Teil ein. Um Schülern eine optimale Qualifikation für ihren beruflichen Werdegang bieten zu können, ist die Kooperation zwischen Unternehmen und Schulen auszuweiten. Ebenfalls müssen den Schülern die Voraussetzungen und Anforderungen der unterschiedlichen Abschlüsse und Berufe frühzeitig und regelmäßig aufgezeigt werden, damit sie selbständig und motiviert ihre Ziele verfolgen können.

Erreichte Niveaustufen verfallen nicht, sodass nach einem Abschluss oder Abbruch ein Wiedereinstieg und damit auch die Erlangung höherer Abschlüsse jederzeit möglich ist.

 

Organisation

Entscheidend für die Verbesserung der Leistung der Bremer Schulen ist ein engagiertes Management. Schulleiter sollten sich als Manager verstehen und damit pädagogische wie organisatorische Qualifikationen vorweisen können. Ausrichtung eines jeden Unternehmens Schule ist dabei die Bildung und die optimale Förderung jedes einzelnen ihrer Schüler.

Um dies zu erreichen, müssen die Schulen in einen Wettbewerb um die Besten Konzepte, das beste Personal und die beste Betreuung ihrer Schüler eintreten. Dies ist nur möglich, wenn die komplette Organisation der Schule, wie Klassengröße und Unterrichtszeiten, Profilausrichtung und zusätzliche Angebote der Schule unterliegt. Ebenso muss sie die Personal- und Haushaltsautonomie voll übertragen bekommen. Die Finanzierung ist durch einen Pro-Schüler-Betrag festzulegen, dessen Höhe sich nach der Organisation der Schule als Halb- oder Ganztagsschule richtet. Mit diesem Betrag muss die Schule alle Kosten ihrer Arbeit decken. Sämtliche sonstigen Zuwendungen an die Schulen werden eingestellt und in diesem Betrag eingerechnet. Bezüglich der momentan unterschiedlichen baulichen Ausgangssituation, muss es jedoch Ausgleichszahlungen geben, damit alle Schulen auf Augenhöhe in den Wettbewerb starten können. Sponsoring kommt ebenfalls für die Schule als Einnahmequelle in Frage, insofern es mit dem Lehrauftrag vereinbar ist. Nicht verwendete Mittel können über das Haushaltsjahr hinaus gespart werden.

Bewertet wird die Leistung der Schulen durch eine externe und unabhängige Evaluation, die zu veröffentlichen ist. Landesweite Vergleichsarbeiten lassen zudem die pädagogische Qualität öffentlich erkennen.

Dank dieses Systems ist es den Schulen möglich, sich anhand eines Profils auszurichten und mit ihrer Leistung um Schüler zu werben. Erfolgreiche Schulen ziehen somit mehr Schüler an, die sich bei ihnen um einen Platz bewerben. Dazu wird das von der Schule ausgeschriebene Platzkontingent auf die Bewerber verteilt, bei einem Überhang an Bewerbern entscheidet das Los.

Private Schulen sind den öffentlichen Schulen in der Finanzierung gleich zu stellen, für sie gelten darüber hinaus die gleichen Richtlinien. Die Gründung weiterer privater Schulen ist nicht zu behindern.

 

Ausbildung

Um das Ziel der Schule, die optimale individuelle Förderung der Schüler zu erreichen, ist die Qualifikation der Lehrer der entscheidende Punkt.

Neben einer Überprüfung der Lehrerausbildung an der Universität, in der die pädagogische Ausrichtung auf die individuelle Förderung auszurichten ist, muss durch hohe Qualitätsstandarts das Klima geschaffen werden, dass der Lehrerberuf eine Aufgabe für die Besten ist. Durch ein pädagogisches Aufbaustudium soll auch hochqualifizierten Fachwissenschaftlern der Einstieg in den Schuldienst ermöglicht werden.

An der Schule darf diese Ausbildung jedoch nicht enden. Lehrer müssen sich der Evaluation ihrer Lehre stellen und werden verpflichtet in den Schulferien an entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen.

Das Beamtenverhältnis der Lehrer führt in vielen Fällen dazu, dass die Motivation an der permanenten Verbesserung der Lehre und die Möglichkeit der Schulleiter, schlechte Lehrer zu entlassen fehlt. Es ist deshalb abzuschaffen.

 

Integration

Besondere Anstrengungen müssen die Bremer Schulen hinsichtlich der Integration von Kindern mit besonderem Förderungsbedarf unternehmen. Auch hier muss die Anstrengung von den Schulen ausgehen, die am besten auf die Situation in ihrem Umfeld eingehen können. Ziel muss es sein, für diese Kinder eine persönliche und soziale Zukunft zu eröffnen, die sich nun einmal primär am Bildungserfolg abzeichnet. Auch hier ist es der einzige gangbare Weg, jedes Kind nach seinen individuellen Fähigkeiten und Schwächen zu fordern und zu fördern. Der Pro-Schüler-Betrag der Schulfinanzierung muss für diese Kinder auf ein Maß erhöht werden, der es den Schulen erlaubt, auf diese Kinder besonders einzugehen.

Die Integration behinderter Kinder ist innerhalb des Schulsystems zu leisten, die Förderzentren sind aufzulösen.

 

Fazit

Um dem Ziel aller Bildung, der Stärkung der individuellen Selbständigkeit der Schüler, näher zu kommen, erscheint die Diskussion der Bremer Parteien um die Schulstruktur fruchtlos. Vielmehr sind die Rahmenbedingungen zu ändern, damit die Schulen in einen Wettbewerb um das beste Konzept eintreten, dies zu erreichen. Die Autonomie der Schulen muss also gestärkt und die Flexibilität des Unterrichts unterstützt werden. Ob sich eine Schule 'Gymnasium' oder 'Gesamtschule' nennt, ist schließlich nachrangig. Allein die Vorbereitung der Schüler, ihr Leben selbstbestimmt zu führen und den Einstieg in ein geplantes Berufsleben zu finden, soll Kriterium für eine gute Schule sein.